Shadow of the Tomb Raider im Test – Apokalypse mit Sightseeing

Playstation 4 Spieletests TOP Slider

Shadow of the Tomb Raider – Das hat uns nicht gefallen

Man möchte meinen so ein drohender Weltuntergang wäre ein Ereignis, welches man mit äußerster Dringlichkeit zu verhindern versucht, doch in “Shadow of the Tomb Raider” verkommt die Apokalypse zum Spaziergang mit Sightseeing Effekt. Dabei beginnt das Abenteuer mit einem verheerenden Tsunami und einem anschliessenden Flugzeugabsturz, woraus Lara und ihr Freund Jonah wie durch ein Wunder völlig unverletzt herauskommen, noch recht vielversprechend.  Doch die eingestreuten Spielelemente aus Survival, Sammelwahn und Erkundung der Kryptas rauben dem Spiel jegliche Glaubwürdigkeit an der Handlung. Wenn wir uns gemütlich am Lagerfeuer unsere Outfits zusammenschneidern, unsere Waffen Upgraden und neue Fähigkeiten freikaufen oder gemütlich durch die Dörfer spazieren und uns mit den Bewohnern unterhalten, dann rückt die Apokalypse in den Hintergrund und lässt uns sogar völlig vergessen, dass die Menschheit dem Untergang geweiht ist. Darüber hinaus gehören die eingestreuten optionalen Kryptas und Gruften mit zu den stärksten Momenten im Spiel, doch auch diese lassen uns die Apokalypse und alles andere vergessen.

Als Beispiel war ich mit Lara gerade unterwegs, um die Rebellenanführerin Paititis aus den grausamen Fängen eines Kults zu retten. Während ich mich heimlich an den zerklüfteten Felswänden entlang hangel, um unbemerkt ins Lager zu kommen, entdeckte ich den Hinweis auf den Eingang einer vergessenen Krypta. Also erkunde ich sofort zunächst die Krypta und vergesse den eigentlich Grund meines Ausflugs an die Klippen. In der Krypta wird schnell ein neues Outfit eingesammelt, dann geht es zurück zu den Klippen und weiter mit dem Versuch ins Lager des Kults einzudringen, um endlich die Rebellenanfühererin aus ihrer lebensbedrohlichen Situation zu retten. So zieht es sich durch das Ganze Spiel, immer wieder gibt es Elemente, die uns von der eigentlich spannenden Handlung weglocken. Zudem stört es die Bevölkerung keineswegs, wenn Lara sich an den Artefakten des Volkes bedient, was ziemlich an der Glaubwürdigkeit der Spielwelt rüttelt.

Auch Laras “überlebensinstinkte”, sofern ihr diese nutzt – damit ist eine spezielle Sicht gemeint, wodurch interessante Objekte in der Umgebung gelb aufleuchten – haben mich zu Beginn des Spiels erschlagen mit einem Dschungel aus Interaktionsmöglichkeiten. Fast der gesamte peruanische Dschungel leuchtete mit dem Druck auf die R3-Taste Gelb auf. Hier gibt es Beeren aufzusammeln, die schnelle Heilung versprechen, dort können Äste eingesammelt werden, mit denen man auf die Schnelle Pfeile herstellen kann, dann können Dokumente, Tagebücher, Gold- oder Jadeklumpen eingesammelt, Tiere gejagt, Kisten oder Töpfe geplündert, Bäume bestiegen, Äste zum Schwingen genutzt, Monolithe oder andere Artefakte erforscht und Feinde getötet werden. All diese genannten Objekte und noch mehr werden mit Laras besonderen Sicht für einen kurzen Augenblick sichtbar, auch Objekte die euch bei einem Rätsel weiterhelfen können oder blockierte Pfade, welche durch besondere Ausrüstung erschlossen werden können, leuchten Gelb auf. Darüber hinaus fielen Laras Kommentare in einigen Kryptas ziemlich nervig aus, da sie ein und denselben Hinweis beim Druck auf die R3-Taste immer und immer von sich gibt.

Auf schwerwiegende Bugs sind wir in unserem Test zwar nicht gestoßen, aber einige Elemente, die bereits seit dem ersten “Tomb Raider”-Reboot existieren, möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. Zum einen lässt sich Lara Croft weiterhin mitten in der Luft während eines Sprungs nach links oder rechts bewegen, was überspitzt gesagt wie bei einem Flughörnchen wirkt. Mag sein, dass diese Spielmechanik dem ungeübten Spieler die Sprünge erleichtert, doch büßt man dabei die Natürlichkeit der Bewegung ein. Auch scheint Lara Croft über unnatürliche Kräfte zu verfügen, wenn sie über meterweite Abgründe springt oder Wände mit nur einem Pfeil, der an einem Seil befestigt ist, durch bloße Stärke einreißt.

Darüber hinaus wirkt Lara weiterhin wie eine Ein-Mann-Armee, die blutrünstig alles und jeden tötet, der sich ihr in den Weg stellt. Natürlich könnt ihr auch schleichend agieren, was aber nichts daran ändert, dass die Gegner viel zu leicht von uns in die Falle gelockt und ausgeschaltet werden können. Damit wollten die Verantwortlichen sicherlich die Stärke von Lara Croft unterstreichen, aber ich denke, dass man die Stärke des weiblichen Charakters auf eine subtilere Art und Weise viel besser vermitteln hätte können. Statt Lara in eine Mischung aus John Rambo und Major „Dutch“ Schaefer (Arnold Schwarzenegger in Predator) zu verwandeln, hätte man sie klüger und zurückhaltender agieren lassen können. Es hätte der Serie gut getan die Action-Passagen zu verlassen und sich mehr dem lösen von Rätseln und Entdeckung unerforschter Gräber zu widmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.