
Call of Cthulhu – Das hat uns nicht gefallen
Leider enttäuscht “Call of Cthulhu” in seiner Inszenierung, der Grafik, den Dialogen und der Geschichte auf ganzer Linie. Während die unterschiedlichen Areale wie der Hafen, die Höhlen, das Hawkins Anwesen usw. auf den ersten Blick durchaus Atmosphäre verströmen, wird alles spätestens mit der ersten Interaktion mit einem Charakter wieder vernichtet. Nicht nur die hölzernen Animationen und die starren Mimiken der Figuren gehören einer älteren Generation an, auch die Dialoge sind alles andere als überzeugend ausgearbeitet. Dadurch wirken nicht nur die Charaktere flach auch die Geschichte leidet mit unter darunter, von der zerstörten Atmosphäre ganz zu schweigen. Solche Dialoge wie mit Silas, dem Hausdiener der Hawkins, bei welchem wir versuchen ihn dazu zu bewegen uns den Schlüssel zum Anwesen auszuhändigen klingen dann schon mal so:
- Edward:”Was machen sie noch hier? Die Familie ist Tod, es gibt nichts mehr, was sie für sie tun können.”
- Silas:”Ich kümmere mich um das Ungeziefer.”
- Edward:”Ich erledige das Ungeziefer für sie.”
- Silas:”OK, nun nehmen sie schon den Schlüssel.”
Leider sind solche Dialoge keine Seltenheit, hinzu kommen noch Situationen in denen Sprüche und Anspielungen entweder künstlich oder flach wirken. Auch die grafische Darstellung schwankt immer mal wieder zwischen annehmbar und grauenhaft. Zudem sieht fast jeder, für die Handlung unwichtige Charakter, identisch aus. Auch die Gestiken einiger Personen während der Dialoge liefen aus dem Ruder und die Hände verdrehten sich anatomisch inkorrekt oder die Finger erinnerten plötzlich mehr an Tentakel als an alles andere. Ich werde für alle, die sich nicht Spoilern lassen möchten keine Einzelheiten zur Story erwähnen, jedoch hat diese mich völlig unbeeindruckt zurückgelassen. Einige Wendungen waren zwar interessant und durchaus gelungen, dennoch blieben am Ende viele Fragen unbeantwortet und keines der drei Enden hinterließ einen befriedigenden Abschluss. Darüber hinaus merkt ihr ganz schnell im Spielverlauf, dass eure Entscheidungen gar nicht so stark ins Gewicht fallen, wie zunächst vom Spiel angedeutet, denn vieles ist nur Illusion und es ist teilweise egal, ob ihr euch für oder gegen eine Sache entscheidet, die Geschichte folgt strikt dem vorgeschriebenen Weg und führt euch unweigerlich zum Ende, wo ihr die Wahl habt euch für eines von drei Enden zu entscheiden.
Darüber hinaus haben die Entwickler viel Potenzial auf der Strecke liegen lassen, nicht nur, dass der Horror kaum vorhanden ist, auch der angedeutete Wahnsinn, dem Edward Pierce zunehmend verfallen soll, wird gar nicht oder nur kaum thematisiert, stattdessen wird es so dargestellt, als wäre alles real was Pierce zu Gesicht bekommt. Dabei hätte man dem Spieler mit Leichtigkeit verwirren und mit Wahnvorstellungen spielen können, ihm in einem Moment etwas verstörendes zeigen, nur um im nächsten Moment die erschreckende Realität vor Augen zu führen. Ab einem bestimmten Punkt hätte der Spieler seinen Augen nicht mehr trauen dürfen und hätte sich auf Indizien stützen müssen, um den Schleier der Wahnvorstellungen zu durchbrechen oder ihnen vollkommen zu verfallen.
Zudem wurden einige Spielelemente einfach eingefügt, um die Spielzeit zu strecken. Als Edward sich zum Beispiel in das Krankenhaus von Darkwater schleicht, um in den Keller zu gelangen, dann muss er sich zunächst aus einer Illusion kämpfen, indem er mit einer Öllampe bewaffnet durch die Gänge des Krankenhauses läuft und unterschiedliche Symbole ausleuchtet, um neue Wege zu öffnen. Davon sind zwar nicht viele im Spiel zu finden, dennoch sind sie nervig.

